Die Benachteiligung von Vätern, Männern und Jungs weitet sich immer mehr aus. Obwohl Väterrechte angeblich gestärkt werden, müssen wir Männer für jede Stärkung von Väterrechten eine Reihe von zusätzlichen Diskriminierungen hinnehmen.

Halten wir mal eins fest, Väter vermissen ihre Kinder. Das zeigt mir der Beratungsalltag seit sechs Jahren. Während eine Mutter nach einer Trennung in allen Bereichen des kindlichen Lebens völlig selbstverständlich ein und aus geht, muss der Vater mit Blockaden auf allen Ebenen rechnen. Wer das nicht erlebt hat, kann es nicht nachvollziehen.

Da war zuletzt der Vater, der seinen Sohn beim Fußballspielen anfeuern wollte. Natürlich wusste er, wann sein Kind spielt und er war auch rechtzeitig vor Spielbeginn da. Natürlich wusste er auch, dass die Kinder bei ihrem Team sind und keine Zeit für sentimentale Begegnungen mit ihrem Papa oder ihrer Mama haben. Darum geht es ja auch nicht, der Papa will seinen Sohn anfeuern und sehen, wie er spielt. Das Interesse an ihren Kindern teilen alle auf dem Platz. In der Jugend kommen noch keine Fans. Es sind die Eltern die die Zuschauer ausmachen.

Oder letztes Jahr im Herbst, der Vater, der zum Laternebasteln in den Kindergarten kam. Klar wollte er mitmachen und mit basteln. Es wird ja auch immer wieder dazu aufgerufen, dass die Eltern möglichst zahlreich erscheinen sollen. Man hört auch überall, dass kaum Väter mitmachen.

Hoffmann und Hofmann heißen die beiden Vorsitzenden von DGB und IG Metall, die am 1.Mai 2016 die Ehre hatten, im deutschen Free TV ihre Ansprachen zum Tag der Arbeit zu halten. "Zeit für mehr Solidarität" ist das Motto, unter dem in allen großen Städten in Deutschland gestern die Maikundgebungen stattfanden. Reiner Hoffmann, Vorsitzender des DGB, findet, ohne harte Auseinandersetzungen hätten wir nichts erreicht. Von einem 8-Stunden-Tag und 30 Tagen Ferien könnte man auch heute noch träumen, denn freiwillig hätten die Arbeitgeber den Gewerkschaften noch nie etwas geschenkt. Was die Metallarbeitgeber sich im aktuellen Tarifstreit "da leisten", hält er für "pure Provokation", es sei "eine Unverschämtheit". Und "wer davon faselt, dass wir noch länger arbeiten, ist nicht von dieser Welt", kritisiert er Überlegungen zur Rentenreform. Zum "Missbrauch" von Werkverträgen und Leiharbeit sagt er: "Bekannt ist besonders die Schweinerei aus der Fleischindustrie, wo Kollegen aus Bulgarien zu miserablen Löhnen ewig lange schuften, das alles wird gnadenlos weiter gehen, wenn wir nicht endlich ein Gesetz gegen den Missbrauch haben." Die "Reichen und die Superreichen" bezeichnet er als "die allergrößten Drückeberger", die sich vor der Kapitalertragssteuer drücken wollen. Jörg Hofmann, Vorsitzender der IG Metall, findet es "das allerletzte, wenn sie sich davor drücken, ihren Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten".

Reiner Hoffmann unterliegt auch dem Selbstbetrug, Frauen würden 22% weniger Lohn für die gleiche Arbeit bekommen, obwohl er es eigentlich besser wissen müsste. Denn die Tarifpolitik war stets geschlechtsneutral und gleiche Arbeit wird auch seit jeher mit gleichem Lohn bezahlt. Jörg Hofmann hat das Thema charmant ausgelassen. Weder von Jörg Hofmann noch von Reiner Hoffmann wurde die Elternzeit für Väter oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer angesprochen, in Zeiten des Wechselmodells eins der drängendsten Probleme in unserer gesellschaftlichen Entwicklung.

Jedes Jahr wird der Gender Pay Gap zelebriert. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", titelt die SPD. "Was wäre eigentlich, wenn sie auch 21 Prozent weniger arbeiten würden...?", posaunt der DGB. Diese Heuchelei ist unerträglich. Frauen arbeiten weniger, der Gender Pay Gap ergibt sich im Wesentlichen dadurch, dass mehr Frauen als Männer Teilzeit arbeiten. Für die gleiche Arbeit erhalten sie den gleichen Lohn, das hat der DGB selber erstritten - vor vielen Jahrzehnten. Eine Parole "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ist verlogen und irreführend. Wenn Frauen grundsätzlich billigere Arbeitskräfte wären, würden die Betriebe nur noch Frauen einstellen.

Und auch die gibt es: Väter, die gar nicht Vater werden wollten, es aber nun doch sind.

Der Muttertag wird immer am zweiten Sonntag im Mai begangen. Der Vatertag wird an Christi Himmelfahrt begangen, das ist der 40. Tag des Osterfestkreises, also 39 Tage nach Ostersonntag. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag. Der frühestmögliche Termin ist der 30. April; der spätestmögliche der 3. Juni (Wikipedia). Während Früh Kölsch gerne mit dem Pittermännchen als "Vaterrolle" wirbt, bleibt die Werbung für kinderliebende Vaterrollen weitestgehend aus.

Aufruf: Liebe Papas,
was bewegt euch, was quält euch,
welche Forderungen habt ihr an die Politik?

Aktion 365

365 Briefe an Barley und Giffey

Mit dem Aufbau der Väterbewegung verfolge ich das Ziel, vorhandene Ressourcen zu bündeln und zu einem gemeinsamen Wirken anzutreiben. Hierzu möchte ich die Väterbewegung auf vier Standbeine stellen.

20.05.2018, Hartmut Wolters - Im Jahr 2003 bekam ich als Hilfesuchender erste Kontakte zur Väterszene. Ich lernte den VafK Aachen und die Arbeit von MANNdat kennen. Mein lebenslanges unbestimmtes Gefühl der Benachteiligung meiner Person entpuppte sich als strukturelle Benachteiligung von Männlichkeit.

20.05.2018, Hartmut Wolters - Angebote für Männer- und Väterarbeit gibt es in Deutschland unter Anderem von den Kirchen (Caritas, Diakonie), der Arbeiterwohlfahrt und dem Sozialdienst katholischer Männer. Institutionelle und unabhängige Angebote für Männer und Väter arbeiten ausschließlich täterorientiert. Männer und Väter werden als Defizitwesen angesehen. Geschlechtsspezifische Angebote für Männer und Väter beschränken sich auf Bereiche zwischen meditativer Arbeit und Anti-Gewalttrainings. Kommerzielle Angebote preisen den Männern Muskelaufbau, Alkohol und handwerkliche Aufgaben an (vergleiche z.B. Vatertag mit Boller­wagen). Sexuelle Potenz und Prostata sind die einzigen gemeinhin bekannten geschlechtsspezifischen Gesund­heits­themen. Ein depressiver Mann gilt nicht als antriebslos und überfordert, sondern als faul.