20.05.2018, Hartmut Wolters - Im Jahr 2003 bekam ich als Hilfesuchender erste Kontakte zur Väterszene. Ich lernte den VafK Aachen und die Arbeit von MANNdat kennen. Mein lebenslanges unbestimmtes Gefühl der Benachteiligung meiner Person entpuppte sich als strukturelle Benachteiligung von Männlichkeit.

In den weiteren Jahren besuchte ich den VafK Münster, die Eltern für Kinder im Revier mit Sitz in Essen, Väter helfen Vätern in Moers, Väter für Gerechtigkeit e.V. in Solingen, die Initiative Väterwiderstand, das Internetforum vatersein.de, andere kleine Vereine, die sich mittlerweile aufgelöst haben und wurde Mitglied im VafK, im EfKiR und in der Männerpartei. Schnell lernte ich, dass in jedem Verein autodidaktisches Fachwissen existiert, aber in jedem Verein zu einem anderen Themenbereich.

Beruflich arbeitete ich bereits in der Vernetzungsarbeit; ich vernetzte EDV Systeme in Deutschland und damit auch die Mitarbeiter der vernetzten Standorte meiner Kunden. Meine Wissbegierde und beruflich bedingte Reisetätigkeit kombinierte ich, um Väter-und Männerarbeit in ganz Deutschland kennen zu lernen. Mir begegnete viel Skepsis, wenn ich von Vernetzung sprach. Das hätten schon so viele vor mir versucht. Ich antwortete, ich versuche das nicht, ich mache das jetzt.

Im Jahr 2009 lud ich zum ersten Netzwerktreffen der Männer- und Väterarbeit ein. Das Projekt nannte ich „Düsseldorfer Kreis“ in Anlehnung an den Begriff der Düsseldorfer Tabelle. Es war das erste Mal, dass Vereine sich begegnen konnten, um ihr Wissen auszutauschen, voneinander zu lernen und ihre eigene Arbeit in Anlehnung an eine Supervision zu reflektieren. Die Netzwerktreffen wurden später vom VafK Karlsruhe fortgeführt und finden heutzutage unter der Bezeichnung „Genderkongress“ statt.

2010 wurde ich zum 1. Vorsitzenden des Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Köln e.V. gewählt. Ich gab dem Verein eine neue Satzung und schärfte das Profil. Mit fünf jährlich stattfindenden Fachtagungen machten wir uns einen Namen in der Fachwelt, mit juristischen Workshops machten wir uns einen Namen in der Szene. Seit 2016 veranstalten wir außerdem die jährlich stattfindende Demo „Allen Kindern beide Eltern“.

Der Verein wuchs von rund 70 auf 300 Mitglieder und befindet sich seit zwei Jahren in der Sättigungsphase. Da der VafK Köln e.V. eine eigene Vereinsregisternummer in Köln hat, können wir neben der Mitgliedschaft im Väteraufbruch Bundesverein auch in anderen Verbänden und in Netzwerken eigenständiges Mitglied werden. Durch unsere gezielte Ausrichtung auf die Väterarbeit wurden wir in das Kölner Männer-Väter-Forum, die Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit und das bundesweite Männerberatungsnetz aufgenommen, welche zuvor rein institutionell arbeiteten. Gemeinsam mit dem Forum Soziale Inklusion e.V., dem Verein Trennungsväter e.V. und MANNdat e.V. gründete ich 2016 die „Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter“. 

Zukünftig möchte ich die positiven Elemente meiner zehnjährigen Vernetzungsarbeit zu einer „Väterbewegung“ zusammen führen. Vereine, Initiativen und Privatpersonen sollen sich zu einem einheitlichen Selbstverständnis bekennen und allgemeindienliche Angebote gemeinschaftlich und einheitlich auf ihren Plattformen bewerben, so dass eine nach außen sichtbare Homogenität entsteht. Das bestehende Fachwissen über authentische Männer- und Väterarbeit möchte ich bündeln und zentral anbieten (Positionspapiere, Leitfäden, Workshops, Seminare, Literaturdatenbank). Im letzten Schritt soll die Möglichkeit für unabhängige Berater und Fachkräfte aufgebaut werden, sich für authentische Männer- und Väterarbeit fortzubilden und zertifizieren zu lassen.